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Chronik

Der Kölner Gefangenen-Fürsorgeverein von 1889 e. V. steht in langer Tradition für unbeirrbares Engagement in der freiwilligen Straffälligenhilfe.

Im frühen 19. Jahrhundert war auch in der damaligen Rheinprovinz und der Provinz Westfalen die Notwendigkeit von Gefängnisreformen und von verstärktem Engagement in der Gefangenenfürsorge ins gesellschaftliche Blickfeld gerückt. Persönlichkeiten aus Justiz, Verwaltung, den christlichen Kirchen und jüdischen Gemeinden, selbständige Kaufleute und wohlhabende Bürger mit Gemeinsinn machten die Gefangenenfürsorge zum gemeinsamen Anliegen.

Am 18.6.1826 unterzeichneten im Düsseldorfer Landgerichtsgebäude die Staatsprokuratoren (Staatsanwälte) Wingender, Sack und Hoffmann, der Fabrikant Göring, der Konsistorialrat Kortüm und Pastor Fliedner die Gründungsurkunde der „Rheinisch-Westfälischen Gefängnisgesellschaft“. Nach der von den zuständigen Ministern vollzogenen königlichen Bestätigung war die Gesellschaft am 15.12.1827 als erster Verein in Deutschland rechtswirksam konstituiert, der für Strafgefangene und Strafentlassene Sorge trug. Zum ersten Präsidenten wurde öffentlichkeitswirksam Franz Josef Anton Reichsgraf von Spee, ein respektierter, verwaltungserfahrener Jurist, gewählt.

In der Folgezeit wurden, ausgehend von der „Rheinisch-Westfälischen Gefängnisgesellschaft“, Tochtergesellschaften gegründet, zunächst an Gefängnisstandorten, später auch in benachbarten Städten und Orten. In Köln konstituierte sich schon am 12.4.1829 als Tochtergesellschaft die „Kölner Gefängnis-Gesellschaft“. In ihr wirkten u. a. Persönlichkeiten wie F. J. Melchior von Herwegh, führender städtischer Beamter und großer Kunstsammler, Carl Ruppenthal, Generalprokurator am Rheinischen Appellationsgerichtshof, später Regierungspräsident in Köln sowie Adolf Steinberger, Kölner Oberbürgermeister, und Heinrich von Witt-genstein, Präsident des Zentral-Dombauvereins und zeitweiliger Kölner Regierungspräsi-dent, aktiv mit.

Über Jahrzehnte arbeiteten sowohl die Muttergesellschaft als auch die Kölner Tochtergesellschaft auf paritätischer Basis im Bemühen um ökumenisches Miteinander erfolgreich zusammen. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erlahmten, von den Wirren des Kulturkampfes begünstigt, die Aktivitäten.

Es ist das Verdienst des Kölner Oberstaatsanwalts und späteren Oberlandesgerichtspräsidenten Oscar Hamm (1839-1920), eines gesellschaftlich hoch angesehenen und humorbegabten Mannes, die Reorganisation der Tochtergesellschaften und Hilfsvereine eingeleitet zu haben. Sein Wirken führte dazu, dass am 31.07.1889 der „Gefängnis-Verein zu Cöln“ gegründet wurde, und zwar auf interkonfessioneller Grundlage. Dieser Verein arbeitete seither über Jahrzehnte erfolgreich in der Fürsorge für Strafgefangene und Strafentlassene. Wiederum ergab sich eine breit gefächerte, wirkungsvolle Mitarbeit von Kölner Bürgern aus unterschiedlichen Berufsfeldern: Persönlichkeiten aus der Justiz – Staatsanwälte, Richter, Rechtsanwälte -; aus dem Strafvollzug – Strafanstaltsleiter, Strafanstaltsgeistliche der christlichen Konfessionen sowie der ständigen Rabbiner; Kölner Unternehmer gaben dem Verein durch willkommene Spenden und die Bereitschaft, Strafentlassene in ihrem Unternehmen einzustellen, wirksame Unterstützung.

Der „Gefängnis-Verein zu Cöln“ nahm 1968 in einer neuen Satzung den Namen „Kölner Gefangenen-Fürsorgeverein von 1889 e. V.“ an. Der Vereinszweck blieb im Kern der Gleiche wie in den „Grundgesetzen“ zur Gründungsurkunde der „Rheinisch-Westfälischen Gefängnisgesellschaft“, der Muttergesellschaft, vor über 140 Jahren niedergelegt.